Gut ausgeschlafen, mit einem Omelett im Bauch wartete ich, eingeschmiert von oben bis unten mit Sonnencreme, auf den Anruf von Catherine, die den Startschuss geben sollte.
Mit drei Motorrädern und sieben Personen, man beachte, dass ich alleine fuhr, starteten wir Richtung Badian.
An der Station angekommen, tauschten wir unsere Helme gegen Schwimmwesten aus, liefen ca. 20 Minuten über eine Brückenähnlicher Pfad durch die Mangrovenlandschaft Richtung Meer, wo wir dann von einem kleinen Boot in Empfang genommen wurden, das uns zu der Floating Village chauffierte.
Die Floating Village war eine, auf alten Oelfässern mit Bambus gebaute Plattform, wo es die, für die Philippinen bekannten Partyabteile gab. Jede Gruppe besetzte so ein Abteil und verbrachte die Zeit mit selbst mitgebrachtem Essen und Trinken.
Ich glaube, die Familie hat die ganze Nacht für diese Mahlzeit geschuftet. Es hatte alles, was das Herz begehrte und noch viel mehr. Ich glaube, all die Viecher, die ich in den letzten Wochen unter Wasser gesehen habe, lagen nun vor mir. Ebenfalls wurde Huhn mit Leber, Herz und Füssen, wie auch Schwein, das Kreuz und Quer in kleine Stücke geschnitten wurde, serviert. Es blieb mir da nicht anderes übrig, als dass ich von allem ein kleines Stück probierte. Bis auf die gruselig aussehenden Austern, wo ich eine Allergie erfand, um diese nicht essen zu müssen.
Ich war auch der Einzige, der einen Löffel zum Essen brauchte. Das andere Besteck diente lediglich zum Schöpfen.
Nach dem Essen, oder eher zwischen dem Essen, vergnügten wir uns mit Baden und Fischen. Als Angelrute diente ein kurzer Holztab mit ein bisschen Faden und eine kleine Angel ohne jegliches Blei. In einem mit Fischernetzen abgesperrten Bereich warteten dann auch die bereits schon einmal gefangenen Fische auf ihr Schicksal. Es dauerte keine halbe Stunde und wir hatten fünf Stück gefangen, die schliesslich abgewogen und direkt gekauft wurden. So konnte die Familie am Abend, neben den vielen Resten, auch noch frischen Fisch auf dem Teller haben.
In der zweiten Runde des Essens gab ich vor, viel zu satt zu sein und bediente mich lediglich noch an ein paar Muscheln und einer in Palmblätter eingewickelten und gedämpften „Reisknolle“, die so zusammenklebte, dass man wie bei einem Brötchen abbeissen konnte.
Viel zu früh ging die schöne und lustige Zeit zu Ende und wir wurden wieder vom Boot abgeholt und an Land gebracht.
Wir verabschiedeten uns noch vor Ort und ich konnte die Heimreise, den Weg kannte ich ja nun, alleine mit meiner gewünschten Geschwindigkeit antreten.
Im Hotel angekommen, verstaute ich die in der Zwischenzeit getrockneten Tauchsachen und nahm den Wäscheständer gleich wieder mit den neuen nassen Sachen in Beschlag. Da auf den Philippinen in den Kleider gebadet wird, waren es auch bei mir nicht nur die Badehosen, die nass waren.
Die fehlende Siesta, die Sonne, die Hitze und all die Aktivitäten gingen nicht spurlos an mir vorbei. Das Nachtessen liess ich ganz ausfallen und ich verkürzte sogar die Zeit an der Flanierstrasse mit einem Bier, um mich noch vor 10 Uhr ins Bett zu legen.
Wie die Zeit doch so schnell vergeht. Es war bereits mein letzte Tauchtag.
Mein frühmorgendlicher Tauchgang absolvierte ich mit einem kleinen Boot unweit des Hausriffes, jedoch weit genug, um nicht von den Horden von koreanischen Schnorchlern gestört zu werden. Es waren bereits genügend Leute auf dem Boot, dass ich Angst hatte, auch unter Wasser wieder in ein Chaos zu kommen. Mein Diveguide führte uns jedoch in eine Richtung, wo wir alleine den ganzen Tauchgang geniessen konnten.
Da es der letzte Tauchtag war, mutete ich meinem Körper auch noch einen weiteren Tauchgang an der Insel Pescador zu. Helfende Hände verfrachteten mein Equipment von einem Boot aufs andere, sodass ich meine Oberflächenpause in Ruhe bei einem Kaffee geniessen konnte.
Sonne, Wind und Wellengang waren zum Abschied sehr gut mit mir und ich konnte nach einer ruhigen Fahrt die Steilwand von Pescador geniessen. Das Sonnenlicht sah ich noch auf einer Tiefe von über dreissig Metern, wo ich krampfhaft versuchte, einen riesigen Zackenbarsch vor meine Linse zu bekommen. Dieser war trotz seiner Grösse jedoch wendiger und schneller und ich hatte keine Chance. Das einzige Resultat war, dass ich mir einiges an Dekompressionszeiten aufgelesen habe und feststellen musste, dass diese in der Restzeit bis zur vollen Stunde nicht „abgefeiert“ werden kann. Ich informierte meinen Diveguide und wir machten uns auf den Weg in seichteres Gewässer.
Nach 70 Minuten, ich hatte noch genug Luft, gab mich mein Tauchkomputer auch wieder frei und ich stieg ein letztes Mal auf das Boot und liess mich zurück in die Basis chauffieren.
Für die ganze Wäscherei mit Süsswasser brauchte ich nun auch länger, da der ganze Karsumpel in zwei Tagen auch wieder in den Koffer verpackt werden muss und das, wenn möglich, „Geschmacksneutral“.
Ein erster Teil des Materials packte ich bereits in meinen wasserfesten Beutel, fuhr zum Hotel zurück, duschte, gönnte mir ein Fried Rice, verfolgte das Kriegsgeschehen rund um Dubai und machte mich dann ein zweites Mal auf den Weg zur Basis, um die restlichen Sachen abzuholen und die Tauchgänge des ganzen Monats abzurechnen.
Erfreut über den tollen Instruktorenrabat versprach ich noch gleichentags den Betrag zu überweisen, was ich dann auch tat und die Bestätigung sogleich wieder per WhatsApp an die Basis weiterleitete.
Für das Trocknen meiner Ausrüstung habe ich gleich die halbe Terrasse des Hotels beschlagnahmt. Ich versuchte herauszufinden, ob auch in dieser Nacht wieder ein Starkregen angesagt ist, wie in den beiden vorhergehenden Nächten.
Da es nicht sicher war, erlaubte mir das Hotelpersonal, den ganzen Wäscheständer auf der Terrasse an einem regensicheren Ort aufzustellen, was ich noch, bevor ich mein Zimmer Richtung Nachtessen verliess, machte.
Lange feiern konnte ich diesen Abend nicht, es war kein tauchen mehr angesagt, dafür einen Ausflug gemeinsam mit der Familie Tapales zu einer „Floating Village“ in der Nähe von Badian.
Jetzt hat es mich doch noch erwischt.
Mein gestriges BBQ in einer der unzähligen Strassenküchen schmeckte vorzüglich. Für das darauffolgende Bier an der Flaniermeile habe ich mehr bezahlt als für das ganze Essen und wahrscheinlich war das sogar noch schlecht.
Bereits um drei Uhr in der Früh weckte mich mein Darm und es folgten im Halbstundentakt weitere Sitzungen.
An das Tauchen war gar nicht zu denken, denn das Fassungsvermögen meines Neoprenanzuges wäre sicherlich zu klein gewesen. So habe ich mich um sechs Uhr morgens per WhatsApp abgemeldet und verlegte meinen Standort nie weiter als 15 Meter von meiner Toilette entfernt.
Am Mittag, wahrscheinlich wäre ich für eine Darmspiegelung vorbereitet gewesen, beruhigte sich die Geschichte und ich konnte meinen ersten Kaffee zu mir nehmen. Da ich der ganzen Sache noch nicht traute, blieb ich noch eine ganze Weile auf der Hotelterrasse mit einem Buch.
Am späteren Nachmittag, mir tat bereits das Liegen weh, raffte ich mich auf, um einen längeren Spaziergang an das Meer zwischen Panagsama und White Beach zu machen.
Einmal dort angekommen stellte ich fest, dass es nicht mehr lange bis zum Sonnenuntergang gehen würde. So bezog ich auf einer Mauer aus Lavagestein meine Stellung und verharrte dort, bis die ganze Show vorüber war.
Schnellen Schrittes wanderte ich dann zurück zum Hotel, um noch einmal das erlösende Örtchen aufzusuchen, zu duschen und mich auf den Weg, etwas Festes und wenn möglich Risikoloses zwischen die Zähne zu kriegen.
Das Feierabendbier fiel dann jedoch sehr kurz aus, und das auch noch in Form einer Cola Zero, und schon machte ich mich auf den Weg Richtung Bett, um den morgigen Tauchtag nicht auch noch zu verpassen.
Heute war doch schon etwas los in der Tauchbasis. Bereits um sieben Uhr begann ein neuer Kurs mit etwa 10 Tauchschülern, die alle noch keine Ahnung hatten, für was welches Material ist und wohin es gehört.
Ich machte mir meinen Pulverkaffee und verzog mich nach draussen, bis die Meute Richtung Wasser watschelte. Erst jetzt begann auch ich mich fertig zu machen und begab mich aufs Boot. Zum Glück blieben die Tauchschüler am Strand und mir wurde das Chaos unter Wasser erspart.
Gemeinsam mit dem Guide und einer älteren Dame, ich weiss nicht einmal die Nationalität, da ich erst unter Wasser feststellte, dass wir nicht nur zu zweit unterwegs waren, genoss ich einen meiner letzten Tauchgänge in diesen Ferien.
Die körperliche Verfassung lässt es noch nicht zu, dass ich zwei Tauchgänge mache, und ich möchte die letzten zwei Tage sicher auch noch tauchen, verabschiedete ich mich nach dem Tauchgang, fuhr direkt ins Hotel, um festzustellen, dass auch heute kein Wasser mehr für mich übrig war. So bestellte ich mir eine Cola Zero und wartete, bis auf einen neuen Tank umgeschaltet wurde, bevor ich mir die Salzkruste vom Leib spülen konnte.
Mit einem weiteren Nudelgericht, das weiss der Teufel wieso mit Zucker und Zitrone geliefert wurde, bändigte ich meinen Hunger, bevor ich mich mit einem Buch in die Hängematte legte. Ich hatte noch keine zwei Seiten gelesen, fielen die Augen schon wieder zu, und ich verschlief den halben Nachmittag auf der Terrasse des Hotels, die zum Glück die ganze Zeit im Schatten lag.
Gegen Abend sattelte ich noch einmal das Motorrad, für die 6 Km nach Moalboal ins „SevenEleven“, um meine Philippinische SIM Karte für weitere 10 Tage zu verlängern. Genoss auf dem Markt noch ein Bier und schaute dem emsigen Treiben der Philippinern zu, die etwas verkaufen wollen. Das sind gefühlt über 90 %.
Der Abend gestaltete sich dann wie üblich mit Flanieren und dem Ausschau nach einem neuen Restaurant mit einem neuen einheimischen Gericht und dem obligaten Feierabendbier direkt an der Strasse.